Reviews and Comments

gregorgross

gregorgross@bookrastinating.com

Joined 3 years ago

Gregor Groß kam im Jahre des Herrn 1973 zur Welt, kurze Zeit nach dem Tode Bruce Lees. Ob es dabei wirklich zu einer Seelenwanderung kam, ist bis heute ungeklärt. Seitdem interessiert sich Gregor für alles Mögliche, manchmal sogar wichtigen Sachen: weit gestreute Romane aus fast allen Genres (eigentlich nur keine aus dem Genre, wo blondgelockte Männer mit nacktem Oberkörper auf Pferden sitzend die Covers zieren), Baseballstatistiken, Wandern, Kochen, Zukunft von Mensch und Maschine.

Ansonsten versucht Gregor, tagsüber in seiner Firma (http://alpha-board.de macht agile Hardware-Entwicklung und Fertigungsservice) möglichst viel zu lächeln und dabei kompetent zu wirken, prokrastiniert am liebsten mit Büchern und noch mehr Büchern und bildet sich Gottweisswas auf seinen Risotto ein.

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reviewed The Last Precinct by Patricia Cornwell (Kay Scarpetta, #11)

Patricia Cornwell: The Last Precinct (Paperback, english language, G. P. Putnam's Sons)

Following the death of Diane Bray and an apparent attack on Kay Scarpetta by Jean-Baptiste …

Much happens, but actually nothing much at all takes place

It turns out that bigger things are going on. The plot extends back and spans several of the last books, it seems. Yet nothing much happens, for we mostly see just two long interview sessions. Still a gripping plot and a long build-up to the next book.

I don't know really why I love Scarpetta so much: I feel she is tough, and she acts tough, yet she always wants other to feel how hard it is for her and ... sometimes it feels constructed. Yet I continue to read on.

César Aira: Wie ich Nonne wurde (Hardcover, deutsch language, 2015, Matthes & Seitz Berlin)

Alles beginnt mit einem Erdbeereis, das so widerlich schmeckt, dass es dem kindlichen Erzähler buchstäblich …

Originell, aber trotzdem recht zäh zu konsumieren, fand ich

Cesar Aira schreibt hier sozusagen über seine eigene Kindheit, so könnte es scheinen. Allerdings ist das Geschlecht mal so und mal so, und am Ende wird auch niemand zur Nonne. Denn eigentlich ist am Ende komplett Schluß.

Was aber zwischendrin passiert, ist sehr originell und erinnert an verschiedene andere südamerikanische Romane (wenn z.B. wie in Hundert Jahre Einsamkeit auch gleich anfangs ein Eis gegessen wird, allerdings auch hier mit dem Tod verbunden, nur ganz, ganz anders).

Trotzdem waren mir die langen Passagen der Innenreflektionen der/des Protagonisten/in am Ende doch recht mühsam zu bewältigen. Aber vielleicht lag das auch an mir selber und wie es mir letzte Woche ging. In Summe ein lohnendes Büchlein.

José Carlos Somoza: Clara. (Hardcover, German language, Claassen Verlag)

Ein weiterer philosophischer Spitzen-Krimi von Somoza

Dieser Roman läuft langsam an, fand ich. Aber als ich ihm etwas Zeit gab, hatte ich Feuer gefangen. Es geht um hyperdramatische Kunst, eine Kunst, in der die Gemälde in 3D von echten Menschen dargestellt werden. Diese werden mit Hilfe von Training, Chemie etc. in eine spezielle Form gebracht, sie werden quasi als Leinwände behandelt.

Natürlich werden dann viel mehr Gemälde mit jungen Mädchen und Frauen als mit alten Menschen oder alten Männern verkauft. Die Gemälde stehen laut Vertrag bis zu 8 Stunden am Tag (oder Nacht) wo immer das Gemälde hingeht (beim Sammler, im Museum etc.). Sie kriegen ein Zimmer, Nahrung, Bewachung, Betreuung und natürlich viel Geld.

Insgesamt dreht sich das Buch also darum, was Kunst ist, wo sie Grenzen erreicht und wie weit man gehen kann für Kunst. Denn in der Handlung gibt es einen Serientäter, der nach und nach mehrere Bilder eines berühmten Künstlers zerstört, …

Lesenswerter Bericht über den Untergang Ostpreußens

Ich bin, wie gesagt, über Tagebuchpassagen von Lehndorffs in Echolot von Walter Kempowski gestoßen, dem aus meiner Sicht besten, größten und umfangreichsten Buch, das ich kenne.

Hans von Lehndorff beschreibt hier, was er ab August 1944 bis Mitte 1946 in Ostpreußen erlebt. Er war dort Arzt und seine Mutter saß im Knast, u.a. wegen Nähe zu der Gruppe um Stauffenberg. Dann stießen die Russen bis an die Memel vor, ruhten sich drei Monate aus, umschlossen Ostpreußen und stießen weiter bis Berlin vor.

In Ostpreußen geschahen böse Dinge beim Einzug der Russen. Das Argument, dass die Deutschen es verdient hätten, erwähnt von Lehndorff sogar selbst, in der Aussage eines polnischen Bürgermeisters kurz vor Ende, als alle Deutschen nach Westen abstransportiert wurden. Das Problem: in Summe schon, aber die, die es hier trifft, sind nicht schuldig an dem, was, allen Deutschen vorgeworfen wird.

Ich verstehe auch, warum das Buch …

Andrzej Sapkowski: Die Dame vom See (German language)

Zu Ende

Dies war der letzte Teil der Hexer-Serie und ich bin traurig. Dies sind mit die lebendigsten und witzigsten Dialoge, die ich kenne, und ich nehme sehr viel Anteil am Schicksal Geralts.

Die Story wird zu Ende gebracht: ob sich die Prophezeiung erfüllt, verrate ich nicht. Letzten Endes arbeitet da jeder an dem rum, was er für die Prophezeiung hält. Aber die einzelnen Versionen unterscheiden sich doch. So fummeln alle am Schicksal anderer rum und jeder hält das für gerechtfertigt - und in genau diesem Chaos endet es. Die Verlierer der letzten Schlacht gewinnen aber mittelfristig den Krieg, wer den Menschen half, aber kein Mensch ist, wird gehasst. Die Welt ist am Ende keines Wegs mehr so unschuldig wie am Anfang und es ist auch keine Welt, in der der Hexer, Ciri oder Yennefer leben.

Ein realistisches Ende, das doch anders ist, als man jetzt denkt nach dem Lesen …

Stefan Zweig: Joseph Fouche. Bildnis eines politischen Menschen. (Hardcover, German language, 2000, Fischer (S.), Frankfurt)

Großartiges Buch über einen wirklich schlechten, aber sehr modernen Menschen

Ich habe dieses Buch von meiner Mutter geschenkt bekommen, als Erstausgabe von 1929. Damals erschien das Buch, weil Stefan Zweig es für nötig hielt, auf solche innerlich leeren Menschen zu verweisen, die für Macht alles tun und immer nur der aktuellen Mehrheit dienen.

Und so wird die Geschichte von Joseph Fouche erzählt, der erst Priester war, später Kirchen abriss und entweihte, der erst Kommunist war und anderen ihren Reichtum wegnahm und sie tötete, bevor er selber adlig wurde und zweitreichster Franzose der damaligen Zeit. Fouche leistete acht Treue-Eide für wechselnde Regierungen und betrog sie alle. Er überlebte die Revolution, Robespierre und Napoleon. Er stimmte für den Tod eines Königs, um später den Segen für eine Hochzeit von einem anderen König zu erbetten. Er war Republikaner und Monarchist und alles andere, was die Mehrheit wollte. Und ein wirklich hohler, leerer, machtgeiler Mensch, der nur für Macht lebte.

Liest sich …

Léon Poliakov: Vom Hass zum Genozid (Hardcover, deutsch language, 2023, Edition Tiamat)

Ein frühes Standardwerk über die Judenvernichtung, das in viele Sprachen übersetzt wurde, aber erst 70 …

Empfohlen von Hannah Ahrendt, nun endlich in deutsch erschienen

Wenn ich mich richtig erinnere, lobte Hannah Ahrendt dieses Buch ausdrücklich in ihrem Buch über den Eichmann-Prozeß (sie lobte auch das entsprechende Buch über den Eichmannprozess von Harry Mulisch, der damit seine Karriere begann). Leider war dieses Buch hier von Leon Poliakov in Deutschland nicht verfügbar, weil anscheinend (so das Nachwort) den Deutschen nicht so richtig gefiel, wie Poliakov hier bereits 1951 nachwies, dass alle Deutschen vom Holocaust wussten und, wegen mehr als 2.500 Güterzügen voll Möbel, die Juden nach deren Deportation weggenommen wurden, die aus Holland kamen, auch alle Schichten der deutschen Bevölkerung davon profitierten.

Die These, wie es vom Haß zum Genozid kommt, ist wie folgt:

  • es braucht ca. 10-12 Männer, um die Macht zu übernehmen und alle Ministerien zu leiten (in diesen Ministerien wird dann gemacht, was von oben befohlen wird)
  • es braucht ständig Hass-Rhetorik für alle, damit alle verrohen und die Begrifflichkeiten …
Michael T. Bosworth: Solution Selling: Creating Buyers in Difficult Selling Markets (1994)

Wie Verkaufen nicht mehr negativ wirkt

Wirklich gutes Buch voller Einsichten darüber, die man verkaufen in eine angenehmere Tätigkeit verwandelt, und zwar für beide Seiten, Verkäufer und Käufer.

Dabei geht es darum, beim ersten Kontakt Neugier statt Ablehnung hervorzurufen. Dafür entwickelt man, aus dem Feedback Deiner bisherigen Kunden eine Referenzstory, und falls der Käufer Neugier zeigt, steigt man in einen Verkaufsprozeß ein. In diesem Prozess achtet man mehr aufs Zuhören als aufs Selber Quatschen, damit man die Schmerzen der Kunden versteht. Es gibt Phasen eines Verkaufs, die bei Käufern unterschiedliche Reaktionen erzeugen, auf die man achten sollte.

Und noch vieles mehr. Das Buch ist zwar knapp 30 Jahre alt, aber vieles davon ist weiterhin komplett wahr - und wird in moderner Vertriebssoftware auch so verwendet (Referenzstory, Pain erfragen etc.).

Dies Buch hier von Mike Bosworth liest sich schnell, ist praktisch orientiert und bietet so einiges an Material zum Benutzen, um die Prozesse und …