gregorgross reviewed Vom Hass zum Genozid by Léon Poliakov
Empfohlen von Hannah Ahrendt, nun endlich in deutsch erschienen
5 stars
Wenn ich mich richtig erinnere, lobte Hannah Ahrendt dieses Buch ausdrücklich in ihrem Buch über den Eichmann-Prozeß (sie lobte auch das entsprechende Buch über den Eichmannprozess von Harry Mulisch, der damit seine Karriere begann). Leider war dieses Buch hier von Leon Poliakov in Deutschland nicht verfügbar, weil anscheinend (so das Nachwort) den Deutschen nicht so richtig gefiel, wie Poliakov hier bereits 1951 nachwies, dass alle Deutschen vom Holocaust wussten und, wegen mehr als 2.500 Güterzügen voll Möbel, die Juden nach deren Deportation weggenommen wurden, die aus Holland kamen, auch alle Schichten der deutschen Bevölkerung davon profitierten.
Die These, wie es vom Haß zum Genozid kommt, ist wie folgt:
- es braucht ca. 10-12 Männer, um die Macht zu übernehmen und alle Ministerien zu leiten (in diesen Ministerien wird dann gemacht, was von oben befohlen wird)
- es braucht ständig Hass-Rhetorik für alle, damit alle verrohen und die Begrifflichkeiten verwaschen, was normal ist und akzeptabel
Und wenn dann noch alle, wie oben beschrieben, direkt profitieren, dann ist man schnell beim Genozid angekommen.
Interessant ist nun, dass diese beiden Dinge gerade in den USA passieren. Die Rhetorik richtet sich gegen Nicht-Weiße und Nicht-Amerikaner, ist geprägt von Hass und Gewaltphantasien. Und die Ministerien sind nun in der Hand ideologisch reiner Sycophanten, die ihrem (An)führer loyal sind über alle Bildung und Moral hinaus. Wir werden also bald sehen, ob Leon Poliakov recht hatte mit seiner These.
Wirklich lohnenswerte Lektüre mit vielen Zitaten aus Originaldokumenten, auf die Poliakov Zugriff hatte. Er weist auch den Weg für viele Forscher nach ihm, z.B. Christopher Browning und sein Buch über die Polizeieinsatztruppen in Polen, Ganz normale Männer.
Wichtiges Buch. Unverständlich, warum es erst 2023 in deutsch erscheint.
