gregorgross reviewed Clara. by José Carlos Somoza
Ein weiterer philosophischer Spitzen-Krimi von Somoza
4 stars
Dieser Roman läuft langsam an, fand ich. Aber als ich ihm etwas Zeit gab, hatte ich Feuer gefangen. Es geht um hyperdramatische Kunst, eine Kunst, in der die Gemälde in 3D von echten Menschen dargestellt werden. Diese werden mit Hilfe von Training, Chemie etc. in eine spezielle Form gebracht, sie werden quasi als Leinwände behandelt.
Natürlich werden dann viel mehr Gemälde mit jungen Mädchen und Frauen als mit alten Menschen oder alten Männern verkauft. Die Gemälde stehen laut Vertrag bis zu 8 Stunden am Tag (oder Nacht) wo immer das Gemälde hingeht (beim Sammler, im Museum etc.). Sie kriegen ein Zimmer, Nahrung, Bewachung, Betreuung und natürlich viel Geld.
Insgesamt dreht sich das Buch also darum, was Kunst ist, wo sie Grenzen erreicht und wie weit man gehen kann für Kunst. Denn in der Handlung gibt es einen Serientäter, der nach und nach mehrere Bilder eines berühmten Künstlers zerstört, indem er mit einem Leinwandmesser die menschlichen Leinwände beschneidet. Schnell wird aber klar, dass im Rahmen der hyperdramatischen Kunst auch diese Serienmorde sowas wie eine Kunstperformance sind. So wird der Serientäter auch Der Künstler genannt.
Nach Das Rätsel des Philosophen, wo Somoza versuchte, im Rahmen einer Krimihandlung die 5. Ebene der Erkenntnis nach Platon zu erreichen, ein weiterer, sehr philosophischer Krimi, bei dem ich viel nachgedacht habe. Dieser hier dreht sich um Kunst. Ich bin begeistert - und die Leser:innen in Spanien auch, wo der Buch den größten spanischen Buchpreis gewann.
