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liliacea

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Joined 10 months, 2 weeks ago

Mostly reading in German and English. Languages I am trying to learn/improve: French, Russian, Spanish

Interested in climate and ecology, philosophy, science-fiction and poetry. And a lot else.

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Bruno Latour: Kampf um Gaia No rating

Wenn es keinen Rahmen, kein Ziel, keine Leitung gibt, müssen wir GAIA als Namen für den Prozeß auffassen, durch den variable und kontingente Möglichkeiten die Gelegenheit erhielten, spätere Ereignisse wahrscheinlicher zu machen. In diesem Sinn ist GAIA ebensowenig ein Produkt des Zufalls wie der Notwendigkeit. Was bedeutet, daß sie sehr dem ähnelt, was wir schließlich als die Geschichte selbst wahrnehmen.

Kampf um Gaia by  (Page 187)

Je weiter ich lese, desto mehr sehe ich ein, wie sehr die These von Gaia als Lebewesen in ihrer Rezeption oft und auch von mir missverstanden wurde.

Da die moralische Reflexion bei Kant überhaupt erst mit "der" Maxime ansetzt, werden die eigentlichen Grundlagen des Handelns ausgeklammert: wie man sein Tun und Lassen überhaupt versteht, wie man es beschreibt und welche ethischen und moralischen Gesichtspunkte der Bewertung in diese Beschreibung eingehen. Wo man sich in erster Linie als Mitglied einer Volksgruppe, einer religiösen Gemeinschaft oder Familie versteht, wird das, was in einem modernen Rechtssystem unter die Kategorie des Diebstahls fallen würde, eventuell ganz anders beschrieben und bewertet, abhängig davon, ob es in der eigenen Gemeinschaft oder Familie vorkommt oder bei Fremden. Kants Ansatz suggeriert die Möglichkeit, solche Normen unter allgemeingültigen Gesichtspunkten kritisieren zu können, bietet sie aber nicht wirklich an, da er nicht vorschreiben kann, wie detailliert die Beschreibung der Handlungseigenschaften ausfallen darf, die der Maximenbildung zugrunde liegt, was in sie eingehen darf und was nicht. Der kategorische Imperativ eignet sich nicht als Matrix für eine Kritik der Sitten, da er nur die Verallgemeinerbarkeit von Maximen ausdrückt, in die schon gewisse in ihrer Reichweite begrenzte normative Unterscheidungen und Wertungen eingegangen sind.

Scham, Schuld, Verantwortung by  (Page 50 - 51)

Die Arbeit des Moralphilosophen besteht dann darin, eine möglichst konsistente und kohärente Rekonstruktion der Prinzipien zu liefern, die er für richtig hält, wobei er von sogenannten Intuitionen ausgeht, die »wir« angeblich haben (jedenfalls hat sie der Moralphilosoph). »Wir«, das sind zunächst die Menschen, von denen der Moralphilosoph glaubt oder meint, erwarten zu dürfen, dass sie seine Intuitionen teilen; aber da die Ethik, wie gesagt, mehr zu sein beansprucht als lokale Semantik, leitet er aus diesen Intuitionen historisch invariante Prinzipien von universalem Anspruch ab. Nicht wenige Philosophen gehen auch heute noch ganz selbstverständlich davon aus, das Wesentliche an der moralischen Person verstehen zu können, ohne sie in ihren sozialen Lebensbezügen zu betrachten und die eigenen Annahmen in Beziehung zu dem zu setzen, was uns empirische Wissenschaften wie die Altertumswissenschaften, die Ethnologie, die Rechtswissenschaften und andere Kulturwissenschaften über wirkliche ethische Systeme und das Selbstverständnis von Personen lehren können.

Scham, Schuld, Verantwortung by  (Page 10)

Eine so umfassende Kritik in so wenigen präzisen Sätzen. Chapeau!

Roy Scranton: Learning to die in the Anthropocene : reflections on the end of a civilization (2015, City Lights Books)

Coming home from the war in Iraq, US Army private Roy Scranton thought he'd left …

We still need to learn how to die in the Anthropocene I guess

Not so sure about this one. I fail to imagine how it would have been to read this when it was first published in 2015. Now, ten years later, some of it felt quite prophetic, but other parts rather shallow and some of it just proved to be wrong and is outdated now. The challenge to learn how to die, not as individuals but as a civilization, is on point, though. But the language of the book mystified this endeavour for me more than being able to clarify the path.

Roy Scranton: Learning to die in the Anthropocene : reflections on the end of a civilization (2015, City Lights Books)

Coming home from the war in Iraq, US Army private Roy Scranton thought he'd left …

The argument of this book is that we have failed to prevent unmanageable global warming and that global capitalist civilization as we know it is already over, but that humanity can survive and adapt to the new world of the Anthropocene if we accept human limits and transience as fundamental truths, and work to nurture the variety and richness of our collective cultural heritage. Learning to die as an individual means letting go of our predispositions and fear. Learning to die as a civilization means letting go of this particular way of life and its ideas of identity, freedom, success, and progress.

Learning to die in the Anthropocene : reflections on the end of a civilization by  (Page 24)

This combination of honesty and hope is to me, somehow, a relief.

Julian Aguon: No Country for Eight-Spot Butterflies (2022, Astra Publishing House, Astra House)

I have been asked more than a few times (mostly by other writers) what one word I'd use to desribe this book. If I had to choose, that would be quiet. Because the work of confronting empire is almost always loud, part of me wanted to force to reader to have to lean in and listen. I am convinced that matters because, now more than ever, we need radical listening, which is to say listening to the voices of those more vulnerable than us, whose lives are more precarious than our own.

No Country for Eight-Spot Butterflies by  (Page 102)