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Sacha Bourgeois-Gironde: Wie uns das Recht der Natur näher bringt (Paperback, Deutsch language, 2023, Matthes & Seitz)

Die vom Klimawandel hervorgerufenen massiven Phänomene neigen dazu, jede Form der Domestizierung und Humanisierung der Natur zu untergraben: Es gibt keine stabilen Küsten und Ufer mehr, der Boden weicht auf. Bei den Inuit in Ilulissat in Grönland erlebt man das außersaisonale Auftauen des Schnees als Verlust des Bodens, auf dem Leben und Fortbewegung stattfinden. Darin liegt der Verlust einer unmittelbaren Verbindung zwischen der Gewissheit einer Beziehung zum Boden, den Bedürfnissen des Überlebens sowie der Regelmäßigkeit von Wetterereignissen und einem klimatischen Prozess. Mir scheint, dass diese Erfahrung des Verlusts des Bodens immer häufiger wird. Bei der aktuellen Lage der Dinge kann die grundsätzliche Stabilität von Grund und Boden nicht mehr eine selbstverständliche Voraussetzung des Rechts bilden; wir müssen die Eigentumsrechte neu als Moment eines Prozesses denken, der andere Momente und andere Ereignisse umfasst, die mit dem Meer, dem Himmel und letztlich mit der Erde zu tun haben, die mit jenen konsubstanziell ist.

Wie uns das Recht der Natur näher bringt by  (Fröhliche Wissenschaft, #222) (Page 84)